9. Schwangerschaftsmonat

9. Monat
33. – 36. Schwangerschaftswoche

Die gemeinsame Zeit hat uns in die dreiunddreißigste Schwangerschaftswoche getragen. Schön langsam wächst die Aufregung bei Mama und bei mir. Ist ja auch kein Wunder, unsere gemeinsamen Wochen sind gezählt. Nie mehr in meinem Leben werde ich meiner Mama so nah sein wie jetzt. Darum muss ich mich noch einmal von meiner besten Seite zeigen.

Ich werde mit dem Kopf jetzt brav nach unten zeigen.
Das wollen die Ärzte und die Hebammen so, also tue ich ihnen diesen Gefallen.  Mein Köpfchen ist noch sehr formbar und meine Schädeldecke ist noch nicht geschlossen. So kann ich leichter durch den engen Geburtskanal flutschen. Das hilft mir und das hilft meiner Mama.

Ich bin ein „harter Knochen“
Das kann ich wirklich voller Stolz von mir behaupten, denn alle anderen Knochen in meinem Körper sind nun hart geworden. Meine Haut bekennt Farbe, sie rötet und glättet sich. Bin ich ein hübsches Menschenkind. Alle werden von mir beeindruckt sein, aber besonders Mama, versteht sich.

Ich warte bereits auf meinen großen Tag
Da ich mich aber bis dahin noch ein wenig gedulden muss, lausche ich währenddessen gespannt Mamas Stimme, denn die mag ich so. Ich bin jetzt schon ca. 42 Zentimeter groß und an Gewicht bringe ich 1.900 Gramm auf die Waage.

Erinnerungen werden geweckt
Ich kann bereits erste Erinnerungen sammeln. Das ist hilfreich, so kann ich die vertrauten Stimmen von Mama und Papa gleich nach meiner Ankunft wiedererkennen.

Mir ist wollig warm,
da mein Fettgewebe die durchschnittliche Körpertemperatur im Vergleich zu Mamas um bis zu einen Grad ansteigen lässt. So ist mir wunderbar warm und es ließe sich schon noch ein Weilchen in Mamas Bauch aushalten, wenn der Platz dafür nicht schon so eng wäre. Bis zur Geburt nehme ich noch ein gutes Kilo zu, wenn nicht eineinhalb Kilos.
Bereits in der dreiunddreißigsten Schwangerschaftswoche liegen neun von zehn Babys in der Geburtsposition. Das Köpfchen nach unten in Richtung des mütterlichen Beckens. Mit den Beinen nach oben Richtung Mamas Rippen.

Auch in der vierunddreißigsten Schwangerschaftswoche werde ich größer und runder. Die Fetteinlagerungen werde ich nach der Geburt brauchen, um die Temperaturen meines kleinen Körpers zu regulieren. Schließlich kommt bei meinen Temperaturen im Bauch Südsee-Feeling auf, auf das muss ich wohl als neues Menschenkind verzichten.
99 Prozent aller Babys, die in dieser Schwangerschaftswoche geboren werden, können nun ohne größere Schwierigkeiten überleben.

Oh, es juckt
Prima, ich kann mich jetzt schon selbst kratzen, denn meine Fingernägel reichen bereits über die Fingerkuppen hinaus.
Es kann schon vorkommen, dass das kleine Gesicht bei der Geburt blutige Kratzspuren aufweist, weil das neue Menschenkind einfach zu heftig gekratzt hat. Der Mutterkuchen versorgt mich mit großen Mengen Kalzium, das stibitzt er sich aus Mamas Blut. Diese großen Mengen sind gut für meine Knochenentwicklung.
Trink jetzt viel Milch, Mama, um einem Kalziummangel vorzubeugen. Es gibt ganz leckere Milkshakes, die schmecken Dir bestimmt und mir natürlich auch.

In der fünfunddreißigsten Schwangerschaftswoche habe ich nun ein voll entwickeltes Paar Nieren und meine Leber kann bereits körperliche Abfallprodukte verarbeiten. Ist das nicht fein?

In Mamas Bauch befindet sich jetzt weniger Fruchtwasser, dafür bin ich kräftig gewachsen. Ich habe inzwischen das Tausendfache meiner ursprünglichen Größe erreicht. Mama hat in der Zwischenzeit zwischen 11 und 13,6 Kilogramm zugenommen. Ihre Gewichtszunahme hat den Höchstpunkt erreicht. Der Bauchnabel von Mama ist auch ordentlich gewachsen, er steht vor, sieht das witzig aus.

Ich bring Dich nicht gern außer Atem
Trotzdem bist Du oft atemlos und musst ganz oft zur Toilette. Ich weiß, jetzt wird es schon beschwerlich mit mir im Bauch. Aber trink viel, Mama, denn ich brauche die Flüssigkeit. Auch der große Appetit bleibt bei Mama aus, schließlich quetsche ich ihren Magen ganz ordentlich.

Am Ende der fünfunddreißigsten Schwangerschaftswoche bin ich in der Lage, selbstständig zu atmen. Sollte ich nun etwas verfrüht das Licht der Welt erblicken, null Problemo. Auch mein Verdauungssystem und mein Zentralnervensystem sind ausgereift. Ich habe jetzt eine Größe von 45 cm erreicht und 2500 Gramm bin ich schwer.

Theoretisch abgeschlossen, praktisch noch nicht ganz
Auch in der sechsunddreißigsten Schwangerschaftswoche nehme ich noch zu, ich will schließlich, dass der Klapperstorch ordentlich schleppen darf, bevor er mich mit dem Weidenkörbchen absetzt.
Am Ende dieser Woche ist die Schwangerschaft theoretisch abgeschlossen und Mama und ich müssen jetzt jeden Tag damit rechnen, dass es endlich losgeht.  Ich drehe mich noch ein bisschen, es ist möglich dass nun Mama einen verstärkten Druck knapp oberhalb ihrer Hüfte spürt. Aber ich bin eh vorsichtig, will ihr ja nicht wehtun. Sie ist schließlich das Liebste, das ich einmal besitzen werde.
Bei einer Untersuchung wird der Gynäkologe darauf achten, ob der Gebärmutterhals sich schon ein klein wenig öffnet. Meine Lage interessiert alle. Es wird darauf geachtet, wie weit ich bereits ins Becken gerutscht bin.

Kein weißes Mäntelchen mehr
Ich begebe mich nun in die endgültige Geburtsposition und warte ab. Mein weißes Mäntelchen, das sich Käseschmiere nennt, löst sich auf und meine rosa Babyhaut kommt langsam zum Vorschein. Wie schön!

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